Aktuelle Forschungsergebnisse

Kommunale Modellprojekte im Rahmen der Covid-19 Pandemie

Hier: Digitalisierung hilft bei der Öffnung des gesellschaftlichen Lebens - Sicherer Trainingsbetrieb in Fitnessstudios


Zielsetzung: Ziel der Studie war es, unter behördlicher Aufsicht notwendige Erkenntnisse zu gewinnen, unter welchen verantwortungsvollen Auflagen ein sicherer Betrieb der Fitnessstudios möglich ist. Hierzu sollte mittels raumlufttechnischer Anlagen eine Raumluftsituation, definiert über einen gesundheitlich-hygienischen Leitwert der CO2-Konzentration von 400 ppm, geschaffen werden, die mit der Luftsituation im Freien vergleichbar ist.

Methoden: Über vier Tage wurde das Fitnessstudio für jeweils 19 Trainingsslots geöffnet, wobei nach jeder Trainingsstunde eine Pause von 15 Minuten eingelegt wurde. An den ersten zwei Tagen durften maximal 83 Personen (Szenario B) und an den letzten zwei Tagen maximal 111 Personen (Szenario A) gleichzeitig trainieren. Es wurde in fünf Fitnessbereichen über je zwei Sensoren alle fünf Minuten die CO2-Konzentration (ppm) gemessen. Außerdem wurde der Zugang der Trainierenden zum Studio unter Angabe von Alter und Geschlecht erfasst. Die in jedem Fitnessbereich vorhandenen Lüftungsanlagen sind ab Erreichung eines technischen Regelwertes von 650 ppm von 50 % Leistung sukzessive auf bis zu 100 % Leistung hochgefahren worden. Um den Einfluss des Szenarios, der Anzahl an Personen, sowie den Einfluss des jeweiligen Fitnessbereichs auf die CO2-Konzentration zu untersuchen, wurde neben einer deskriptiven und graphischen Auswertung der Daten eine lineare gemischte Regression mit der CO2-Konzentration als Zielvariable durchgeführt. Für die CO2-Konzentration wurde das Maximum der beiden Sensoren eines Raumes zu einem Messzeitpunkt betrachtet.

Ergebnisse: In keinem der Räume wird der gesundheitlich-hygienische Leitwert von 1.000 ppm CO2 erreicht. Der gesundheitlich-hygienische Leitwert von 800 ppm CO2 wird einmalig im Bereich Fitness 1 überschritten sowie regelmäßig im Freihantelbereich. Im Kursraum wird der technische Regelwert von 650 ppm CO2 und damit die Notwendigkeit des Hochfahrens der Lüftungsanlage, nur einmal erreicht. In den Bereichen Fitness 1, Fitness 2 und Ladygym unterscheidet sich der Anteil der Überschreitungen des Regelwertes zwischen den Szenarien. Die CO2-Werte steigen innerhalb einer Trainingsstunde im Schnitt zunächst an, ehe sie noch vor Ende der Trainingsstunde wieder sinken und innerhalb der Pause stark abfallen. Die Schätzung des linearen gemischten Regressionsmodells liegt für den Freihantelbereich im Vergleich zum Ladygym um fast 100 ppm höher. Das Szenario A hat mit zusätzlich geschätzten 13 ppm im Vergleich zum Szenario B nur einen geringen Einfluss, wenn gleichzeitig die Anzahl an Personen im Modell berücksichtigt wird. Pro zusätzlicher Person im Studio wird der CO2-Wert um 2,24 ppm höher geschätzt, sodass bei einer Personenzahl von 45 der CO2-Wert um 100 ppm höher geschätzt wird.

Schlussfolgerung: Unterhalb eines gesundheitlich-hygienischen Leitwertes von 800 ppm CO2 wird nach DIN EN 13779: 2007-09 von einer hohen Raumluftqualität ausgegangen und erst ab einer Überschreitung einer CO2-Konzentration von 1.000 ppm spricht man von einer mäßigen Raumluftqualität. Der CO2-Leitwert von 800 ppm wird unter den hier betrachteten Bedingungen an den vier Tagen nur im Freihantelbereich regelmäßig überschritten, sodass für diesen Bereich eine striktere Personenbegrenzung in Betracht gezogen werden sollte. Da aber der Leitwert von 1.000 ppm nicht einmal überschritten wurde, scheinen die hier betrachteten Szenarien für eine hohe bis mittlere Raumluftqualität adäquat zu sein. Die in den Pausen stark sinkenden CO2-Werte sprechen für die Funktionalität der benutzten Lüftungsanlage. Insbesondere die Anzahl der im Studio vorhandenen Personen hat einen starken Einfluss auf den geschätzten CO2-Wert. Eine Einschränkung der Personenzahl scheint folglich ein adäquates Mittel, um die CO2-Konzentration gering zu halten.


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